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Lost Leaf Publications
Der jüngste Tag
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Hallo — Tag, Zaza! Schon zurück? — Was hast du für Kritiken bekommen? — Gratuliere — Aber das ist ganz unmöglich — Übermorgen fährt mein Schiff — Ja, schon einen Monat früher — Nein! Das Gastspiel dauert trotzdem nur sechs Monate. — Ich weiß nicht — Einsam? (Sie lacht.) Aber meine liebe Zaza! In Amerika wird es doch auch Frauen geben! — Yges bleibt hier. O, er hat soviel Photographien von mir gemacht. — Gott nein! Aber er findet mich sehr schön — (Sie lacht. Es klopft. Das Mädchen tritt herein.) Warte mal einen Moment. (Zum Mädchen) Was ist?
DAS MÄDCHEN:
Ein Herr wünscht gnädige Frau zu sprechen, weil der Herr Yges nicht da ist.
JEANNE:
Die Karte?
DAS MÄDCHEN:
Der Herr hat mir keine gegeben.
JEANNE:
Hat er seinen Namen nicht genannt?
DAS MÄDCHEN:
Nein, der Herr ist sehr aufgeregt und hörte gar nicht.
JEANNE:
Sieht er sehr bürgerlich aus?
DAS MÄDCHEN:
Nein — das eigentlich nicht . . .
JEANNE (lacht):
Also auf Ihre Verantwortung. Lassen Sie ihn hier eintreten. (Das Mädchen ab.)
(Ins Telephon) Zaza! Ich bekomme Besuch. Ja — ich weiß nicht. Aber es ist doch immerhin sympathisch, daß er so aufgeregt ist. (Es klopft.) Er kommt — Auf Wiedersehen! — Danke — Addio! (Sie legt den Hörer in die Gabel und ordnet vor dem Toilettenspiegel ihr Haar.) Herein!
JEANNE (springt auf):
Rainer! (Sie streckt ihm die Hand entgegen.) Wie geht’s denn? Nun?
RAINER (erregt):
Lebt Ihr Mann?
JEANNE:
Das braucht uns gar nicht zu stören. Er ist nicht eifersüchtig. — Setz’ dich.
RAINER:
Wissen Sie bestimmt, daß er nicht tot ist?
JEANNE (ängstlich):
Du fragst ja, als ob du es erwartest.
RAINER:
Antworten Sie!
JEANNE:
Oho!
(Rainer sucht die Glocke und klingelt. Das Mädchen kommt sofort)
RAINER:
Wo ist der Herr?
DAS MÄDCHEN:
Der Herr ist vor 10 Minuten fortgegangen. Er wollte in einer Stunde wieder zurück sein.
RAINER (schreit):
Ich habe gefragt, wo er ist.
DAS MÄDCHEN:
Das weiß ich doch nicht.
RAINER:
Danke. (Das Mädchen ab.)
RAINER (mit erzwungener Ruhe):
Gestatten Sie mir bitte, Ihren Mann hier zu erwarten. Ich muß ihn sprechen. — Ich werde in den Salon gehn. — (Jeanne geht zur Tür.) Bitte, bleiben Sie nur hier. Ich möchte Sie nicht stören.
JEANNE:
Ich glaube eher, daß ich dich störe . . .
RAINER (zeigt Jeanne seine Unwilligkeit, setzt sich aber auf die Chaiselongue).
JEANNE (setzt sich an den Spiegel, um sich zu pudern):
Nun — was hast du erlebt?
RAINER:
Nichts. (Kleine Pause.)
JEANNE:
Ich freue mich, daß du mich mal besuchen kommst.
RAINER:
Seien Sie doch vernünftig. Sie können sich doch denken, daß ich hier nur herkomme, wenn ich es unbedingt muß.
JEANNE:
Sso?!
RAINER:
Das ist doch selbstverständlich.
JEANNE:
Ein Besuch bei einer alten Freundin ist allerdings nicht selbstverständlich.
RAINER:
Er ist nicht notwendig.
JEANNE:
Die Antwort ist offen und häßlich.
RAINER:
Ich sage auch Frauen die Wahrheit.
JEANNE:
Unhöflichkeit bleibt aber trotzdem ungerechtfertigte Bereicherung.
RAINER:
Dann entschuldigen Sie.
JEANNE:
Das ist leicht gesagt: Entschuldigen Sie! Nach deiner Stimmung zu schließen, darf ich nicht hoffen, daß du mich unterhältst, und ich kann’s jetzt nicht mehr, oder wollen wir vom Wetter sprechen? — Du kommst also her, um meinem Manne etwas zu sagen. Da muß ich schon fragen: Was? (Rainer schweigt.) Ja, du empfindest das als eine Indiskretion, aber ich hatte dir ja die Gelegenheit gegeben, mir zu erzählen, warum du mich besuchst. (Rainer schweigt.) Ich bin grausam, nicht wahr? Aber das ist deine Schuld. Warum machst du dich zu meinem Opfer? Wenn du nicht mein Freund sein kannst, warum bist du nicht mein Feind?
DAS MÄDCHEN:
Ein Herr wünscht gnädige Frau zu sprechen, weil der Herr Yges nicht da ist.
JEANNE:
Die Karte?
DAS MÄDCHEN:
Der Herr hat mir keine gegeben.
JEANNE:
Hat er seinen Namen nicht genannt?
DAS MÄDCHEN:
Nein, der Herr ist sehr aufgeregt und hörte gar nicht.
JEANNE:
Sieht er sehr bürgerlich aus?
DAS MÄDCHEN:
Nein — das eigentlich nicht . . .
JEANNE (lacht):
Also auf Ihre Verantwortung. Lassen Sie ihn hier eintreten. (Das Mädchen ab.)
(Ins Telephon) Zaza! Ich bekomme Besuch. Ja — ich weiß nicht. Aber es ist doch immerhin sympathisch, daß er so aufgeregt ist. (Es klopft.) Er kommt — Auf Wiedersehen! — Danke — Addio! (Sie legt den Hörer in die Gabel und ordnet vor dem Toilettenspiegel ihr Haar.) Herein!
JEANNE (springt auf):
Rainer! (Sie streckt ihm die Hand entgegen.) Wie geht’s denn? Nun?
RAINER (erregt):
Lebt Ihr Mann?
JEANNE:
Das braucht uns gar nicht zu stören. Er ist nicht eifersüchtig. — Setz’ dich.
RAINER:
Wissen Sie bestimmt, daß er nicht tot ist?
JEANNE (ängstlich):
Du fragst ja, als ob du es erwartest.
RAINER:
Antworten Sie!
JEANNE:
Oho!
(Rainer sucht die Glocke und klingelt. Das Mädchen kommt sofort)
RAINER:
Wo ist der Herr?
DAS MÄDCHEN:
Der Herr ist vor 10 Minuten fortgegangen. Er wollte in einer Stunde wieder zurück sein.
RAINER (schreit):
Ich habe gefragt, wo er ist.
DAS MÄDCHEN:
Das weiß ich doch nicht.
RAINER:
Danke. (Das Mädchen ab.)
RAINER (mit erzwungener Ruhe):
Gestatten Sie mir bitte, Ihren Mann hier zu erwarten. Ich muß ihn sprechen. — Ich werde in den Salon gehn. — (Jeanne geht zur Tür.) Bitte, bleiben Sie nur hier. Ich möchte Sie nicht stören.
JEANNE:
Ich glaube eher, daß ich dich störe . . .
RAINER (zeigt Jeanne seine Unwilligkeit, setzt sich aber auf die Chaiselongue).
JEANNE (setzt sich an den Spiegel, um sich zu pudern):
Nun — was hast du erlebt?
RAINER:
Nichts. (Kleine Pause.)
JEANNE:
Ich freue mich, daß du mich mal besuchen kommst.
RAINER:
Seien Sie doch vernünftig. Sie können sich doch denken, daß ich hier nur herkomme, wenn ich es unbedingt muß.
JEANNE:
Sso?!
RAINER:
Das ist doch selbstverständlich.
JEANNE:
Ein Besuch bei einer alten Freundin ist allerdings nicht selbstverständlich.
RAINER:
Er ist nicht notwendig.
JEANNE:
Die Antwort ist offen und häßlich.
RAINER:
Ich sage auch Frauen die Wahrheit.
JEANNE:
Unhöflichkeit bleibt aber trotzdem ungerechtfertigte Bereicherung.
RAINER:
Dann entschuldigen Sie.
JEANNE:
Das ist leicht gesagt: Entschuldigen Sie! Nach deiner Stimmung zu schließen, darf ich nicht hoffen, daß du mich unterhältst, und ich kann’s jetzt nicht mehr, oder wollen wir vom Wetter sprechen? — Du kommst also her, um meinem Manne etwas zu sagen. Da muß ich schon fragen: Was? (Rainer schweigt.) Ja, du empfindest das als eine Indiskretion, aber ich hatte dir ja die Gelegenheit gegeben, mir zu erzählen, warum du mich besuchst. (Rainer schweigt.) Ich bin grausam, nicht wahr? Aber das ist deine Schuld. Warum machst du dich zu meinem Opfer? Wenn du nicht mein Freund sein kannst, warum bist du nicht mein Feind?
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