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Beim Film glauben die Leute gerne, sie könnten mal eben einen Spielfilm schreiben oder ohne Vorkenntnisse darüber urteilen. Warum? Weil es im Film ja so abgeht wie in der Wirklichkeit, in der wir leben. Was soll so schwer daran sein, eine Filmgeschichte zu schreiben? Zu dieser leidlichen Gruppe gehören auch Schauspieler, Redakteure und Produzenten, die nicht müde werden, sich über die mindere Qualität der deutschen Drehbücher zu mokieren und es als Rechtfertigung nehmen, selbst zur Feder zu greifen, oft heimlich, weil sie es nicht dürfen.
Tatsächlich machen sie es nicht, um die Qualität des deutschen Films zu verbessern, sie wollen mitverdienen. Das Honorar, das sie als Schauspieler, Redakteur oder Produzent verdienen, reicht ihnen noch nicht. Deren Produkte sind um keinen Deut besser. Sie, und da wird es gefährlich, haben es bisher nicht für nötig befunden, sich auch theoretisch mit der Kunst des Drehbuchschreibens zu beschäftigen. Wieso eigentlich nicht? Glauben sie wirklich, sie hätten es mit den Genen mitbekommen, weil der Vater oder die Mutter schon im Filmbusiness waren, oder weil sie jemanden kennen, der Beziehungen hat? So sind sie vielleicht an den Job gekommen, verstehen tun sie deswegen noch nichts vom Metier.
Die Entscheidungsträger sollten sich besser schulen, schon um die guten Geschichten von den weniger guten unterscheiden zu können. Dass sie qualitativ gute Bücher angeboten bekommen, die sie aber allzu oft ablehnen, weil sie deren Wert nicht erkennen, davon bin ich überzeugt.
Während ich in Teil I der Filmtheorie erläutert habe, wie eine Filmgeschichte aufgebaut wird und wie Exposé und Treatment entwickelt werden, gehört dieser Teil der Sequenz- und Szenenarbeit. Wir werden erkennen, dass jede Sequenz und jede Szene eine eigene kleine Geschichten ist, die dramatisch konstruiert werden muss, ähnlich der Gestaltung der ganzen Filmgeschichte.
Über die Sequenz- und Szenenarbeit werden wir dazu kommen, den Dialog zu schreiben, der natürlich auch kein abgelauschtes Gerede ist, sondern verdichtet und zugespitzt. Es gibt einen Konflikt, und nahezu jedes Wort hat eine Bedeutung. Auch da gibt es beim deutschen Film Nachholbedarf. Dann endlich, aber auch erst dann, können wir uns daranmachen, das Drehbuch zu schreiben.
Schließlich werden wir dazu kommen, das, was den Erfolg oder Misserfolg eines Films ausmacht, näher zu beleuchten. Es ist das Thema. Ich habe es eben schon erwähnt. Anschließend werde ich mich über Authentizität, Aktualität, Milieu, Setting und Genre auslassen, weitere Bausteine, die zu einem guten Drehbuch gehören.
Ich präsentiere hier nichts grundlegend Neues, keine Ergebnisse aufwendiger Film- und Drehbuchforschungen, nichts, was mir womöglich einen Doktortitel einbringen könnte. Ich habe lediglich das niedergeschrieben, was ich selbst gelernt, gelesen und gelehrt habe, das, was man als dramaturgisches Grundwissen bezeichnen könnte. Viele modernen Filme gehen darüber hinaus. Ich weiß es. Trotzdem sollte man über die Grundlagen Bescheid wissen. Was man später daraus macht, bleibt jedem selbst überlassen.
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