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Philosophie des Aphorismus: Kurzer Rede langer Widersinn

Philosophie des Aphorismus: Kurzer Rede langer Widersinn

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"Sprachkürze gibt Denkweite." (Jean Paul)

"Ein Haufen aufs Geratewohl hingeschütteter Dinge ist die schönste Weltordnung." (Heraklit, um 500 v. Chr.)

"Der Witz ist das Prinzip und Organ der Universalphilosophie." (Fr. Schlegel)

"Alles Schreiben ist aphoristisch."  (Jacques Derrida, 1979)

"Der Aphorismus ist nur aus seiner Stellung zwischen Philosophie und Poesie beschreibbar."  (Stefan Fedler, 1992)

"Ein lakonisches Volk sind wir nicht."  (Johannes Gross, 1996)

Die kurze und prägnante Sentenz ist nicht nur eine immer noch zu kurz kommende Literaturgattung, sondern auch eine genuin philosophische Form, die in dieser Arbeit selber philosophisch untersucht wird. Der isolierbar vieldeutige Aphorismus ist leider heruntergekommen zu lustiger Blödelei oder seichtem Gesinnungsspruch und sollte doch rehabilitiert werden als ein philosophischer Gehalt in literarischer Gestalt, als satirisches Zwergrätsel, als paradoxes Erkenntnisspiel zwischen Bild und Begriff, als Ausdruck des unschlichtbaren Konflikts zwischen Individuum und Allgemeinheit, Gefühl und Gedanke, Metapher und Metaphysik, Kunst und Wissenschaft, ästhetischer Einbildungskraft und rationaler Urteilskraft. Das fragmentierte Denken in s(pr)achpointierten "Maximen und Reflexionen" bietet rationale Vernunftkritik in konzisen Gedankenexperimenten. Sie philosophieren ohne Argumente, mit Allgemeingültigkeitsanspruch gegen die Allgemeinheit, und die Lebensphilosophie dieser Weltklugheit zielt auf den Witz bei der Ursache, mit nur "impliziten Schlüssen" (Welser).

Eine Philosophie dieser Mikroprosa liefert die philosophische Selbstreflexion einer ihrer besten literarischen Formen und Masken.

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