Severus
Die Derwischtrommel: Das Leben des erwarteten Mahdi
Die Derwischtrommel: Das Leben des erwarteten Mahdi
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Ombadhur, Südsudan, 2. September 1898: Auf der Hochebene von Kirrari treffen an diesem Tag zwei Heere aufeinander, die gegensätzlicher nicht hätten sein können. Auf der einen Seite ist da das anglo-ägyptische Expeditionskorps des ehrgeizigen Horatio Herbert Kitchener, dessen Stern im Englischen Empire gerade erst zu leuchten beginnt. Ausgerüstet mit modernsten Waffen, diszipliniert und taktisch geschult, soll seine Armee endlich dem Aufstand in der sudanesischen Wüste ein Ende bereiten. Auf der anderen Seite ist da die Streitmacht der Mahdisten. Ein mittelalterliches Heer, unübersehbar in der Zahl, mit Schwertern und Lanzen, erbeuteten Gewehren und Dolchen bewaffnet. Wer sich wegduckt, gilt als feige, jeder Mann dient seinem Fürsten. Dass die Stämme, die seit je den Sklavenhandel aus dem Inneren Afrikas organisierten, gemeinsame Sache machen, ist an sich schon ein Wunder, in dieser an Wundern so reichen Zeit. Und so sind die Gotteskrieger zuversichtlich und im festen Glauben, das Tagesende werde die Vernichtung des Bösen bringen. Was sind schon Ungläubige, die wider alle Vernunft gegen die von Gott verliehene Allmacht des Mahdis und seiner Stellvertreter aufbegehren? Übte man nicht großmütige Nachsicht, als man die englische Königin Viktoria sowie den osmanischen Sultan Abdülhamid I. in Sendschreiben aufforderte, sich dem neuen Messias, Muhammad Ahmad, zu unterwerfen?
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