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Sybil Henning Production Das literarische Drehbuc
Borysthenes - Landschaft und Trauma: Die ukrainische Wunde
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Die Historikerin Melanie verfolgt, als sie sich im Sommer 2003 in Kiew auf dem MS „Borysthenes" für eine Kreuzfahrt auf dem Dnjepr einschifft, einen Forschungsauftrag. Seit diese Passage für westliche Touristen zugänglich ist, haben ehemalige deutsche Kriegsteilnehmer immer wieder die Gelegenheit genutzt, um unauffällig an die Schauplätze des Rußlandfeldzugs „Barbarossa" zurückzukehren. Inzwischen ist es die Generation ihrer Kinder, die nach den Gräbern verschollener Verwandter und vielleicht auch nach der wahren Geschichte ihrer Väter suchen. Melanie soll herausfinden, ob den jüngeren Deutschen bewusst ist, dass der Holocaust in der Ukraine begonnen hat, und wie stark die Wehrmacht daran beteiligt war.
Der gewaltige Dnjepr, der in der Antike nach einer skytischen Flussgöttin „Borysthenes" genannt wurde, teilt ein hart umkämpftes Grenzland. Die beiden konfessionell und politisch unterschiedlichen Ufer wurden erst im 20. Jahrhundert in mehreren Anläufen, zuletzt 1991, zu einem unabhängigen Staat vereinigt, ohne die Autokratie der Oligarchen anzutasten. Bei ihren Landgängen spürt Melanie, dass es unter der Oberfläche brodelt. Die Menschen, die sie trifft, scheinen auf etwas zu hoffen. Ein Umbruch bereitet sich vor. (Ein Jahr später wird die Orangene Revolution die Aufmerksamkeit der Welt auf die Ukraine lenken). Auf dem Schiff hingegen herrscht Routine. Geschichte und Kultur der Ukraine werden den Passagieren in Vorträgen nahe gebracht und die nationale Abgrenzung von der Kolonialmacht Russland betont. Ein Thema scheint tabu zu sein: die deutsche Besatzung und ihre Kriegsverbrechen.
Melanie erlebt die Schiffsreise gespalten - als begeisterte Touristin, und als reservierte Zeitzeugin. Die Landschaft ist überwältigend: Ein Fluss wie ein Binnenmeer, mit fernen Ufern unter einem unendlichen Horizont. Kiev mit Sophienkathedrale und Höhlenkloster, die Hebebrücke von Krementschug, die Kosakenschau von Saporoshje, die Oper in Odessa. Höhepunkt der Reise ist die Krim. Sie ist erst seit kurzem für westliche Touristen zugänglich und trägt überall die russische Handschrift: in den Weltkriegsdenkmälern und Leninstatuen, in der Anwesenheit der Schwarzmeerflotte, in der Rolle, die sie in der russischen Literatur spielt. Der russische Besitzanspruch wird überall spürbar. Erst hier wird der II. Weltkrieg zum Thema, aber als Heldenepos der Roten Armee. Auf dem Soldatenfriedhof von Gontscharnoje geben sich die Angehörigen von Kriegsgefallenen zu erkennen, auf den Sapúnhöhen, zwischen musealen Waffen, endlich auch das winzige Häuflein greisenhafter Veteranen. Melanies Recherche erweist sich als ergebnisreich.
Der gewaltige Dnjepr, der in der Antike nach einer skytischen Flussgöttin „Borysthenes" genannt wurde, teilt ein hart umkämpftes Grenzland. Die beiden konfessionell und politisch unterschiedlichen Ufer wurden erst im 20. Jahrhundert in mehreren Anläufen, zuletzt 1991, zu einem unabhängigen Staat vereinigt, ohne die Autokratie der Oligarchen anzutasten. Bei ihren Landgängen spürt Melanie, dass es unter der Oberfläche brodelt. Die Menschen, die sie trifft, scheinen auf etwas zu hoffen. Ein Umbruch bereitet sich vor. (Ein Jahr später wird die Orangene Revolution die Aufmerksamkeit der Welt auf die Ukraine lenken). Auf dem Schiff hingegen herrscht Routine. Geschichte und Kultur der Ukraine werden den Passagieren in Vorträgen nahe gebracht und die nationale Abgrenzung von der Kolonialmacht Russland betont. Ein Thema scheint tabu zu sein: die deutsche Besatzung und ihre Kriegsverbrechen.
Melanie erlebt die Schiffsreise gespalten - als begeisterte Touristin, und als reservierte Zeitzeugin. Die Landschaft ist überwältigend: Ein Fluss wie ein Binnenmeer, mit fernen Ufern unter einem unendlichen Horizont. Kiev mit Sophienkathedrale und Höhlenkloster, die Hebebrücke von Krementschug, die Kosakenschau von Saporoshje, die Oper in Odessa. Höhepunkt der Reise ist die Krim. Sie ist erst seit kurzem für westliche Touristen zugänglich und trägt überall die russische Handschrift: in den Weltkriegsdenkmälern und Leninstatuen, in der Anwesenheit der Schwarzmeerflotte, in der Rolle, die sie in der russischen Literatur spielt. Der russische Besitzanspruch wird überall spürbar. Erst hier wird der II. Weltkrieg zum Thema, aber als Heldenepos der Roten Armee. Auf dem Soldatenfriedhof von Gontscharnoje geben sich die Angehörigen von Kriegsgefallenen zu erkennen, auf den Sapúnhöhen, zwischen musealen Waffen, endlich auch das winzige Häuflein greisenhafter Veteranen. Melanies Recherche erweist sich als ergebnisreich.
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